zerzura

 

 

 

 
Am Anfang war der Fluß. Der Fluß wurde zu einer Strasse, und die Straße verzweigte sich über die ganze Welt. Und da die Straße einst ein Fluß war, war sie immer hungrig.

In jenem Land des Anfangs mischten sich die Geister unter die Ungeborenen. Wir konnten zahlreiche Formen annehmen. Viele von uns waren Vögel. Wir kannten keine Grenzen. Es wurde viel gefeiert, gespielt und geklagt. Wir feierten viel wegen der schönen Schrecken der Ewigkeit. Wir spielten viel, weil unter uns immer jene waren, die gerade aus der Welt der Lebenden zurückgekommen waren. Sie waren untröstlich über all die Liebe, die sie zurückgelassen, all das Leid, das sie nicht wiedergutmacht, all das, was sie nicht verstanden, und über all das, was sie kaum zu lernen begonnen hatten, bevor sie in das Land des Ursprungs zurückgeholt worden waren.

Nicht einer von uns freute sich darauf, geboren zu werden. Wir mochten die Härte des Daseins nicht, die unerfüllten Sehnsüchte, die eingezäunten Ungerechtigkeiten der Welt, die Labyrinthe der Liebe, das Unverständnis der Eltern, die Unausweichlichkeit des Sterbens und die erstaunliche Gleichgültigkeit der Lebenden inmitten der einfachen Schönheiten des Universums. Wir fürchteten die Herzlosigkeit der Menschen, die alle blind geboren werden und von denen nur wenige jemals sehen lernen.

 

 

aus: "Ben Okri - Die hungrige Strasse", Kiepenheuer & Witsch, 1994
foto: Clayton's Craters, Gilf Kebir - Egypt