zerzura

 


nafula
attiniata

 

 
Die Nacht schlief ich auf etwas feuchtem Gras in einem Winkel des Hofes.

In dem Dorfe Suha hatte ich ein merkwürdiges Abenteuer. Ich bat den Duti, der am Tore saß, mir etwas Korn zu verkaufen und, als er nicht wollte, mir aus Mitleid etwas zu essen zu schenken. Er sagte aber, er könne nichts entbehren. Indem ich mir den unfreundlichen alten Mann näher ansah, um die Ursache seines Mißvergnügens, welches in seinem Auge lag, zu entdecken, rief er einen Sklaven, der in der Nähe in einem Kornfeld arbeitete, und befahl ihm, ein Grabscheit mitzubringen.

 Hierauf wies er ihm einen Platz an und ließ ihn dort ein Loch graben. Der Duti murmelte während dieser Arbeit vor sich hin, wobei er öfters die Worte wiederholte "danka tu, taugt zu gar nichts" und "jankra lemen, wahre Plage".

Da ich diese Ausdrücke nur auf mich beziehen konnte und die Grube gar sehr das Ansehen eines Grabes annahm, so hielt ich es für das klügste, mein Pferd zu besteigen und mich aus dem Staub zu machen.

In diesem Augenblick kam der Sklave, der in das Dorf gegangen war, mit dem nackten Leichnam eines neun- oder zehnjährigen Knaben zurück, den er an einem Arm und einem Bein hinter sich herschleppte und mit einer rohen Gleichgültigkeit, die ich nie zuvor gesehen hatte, in die Grube warf. Während er die Leiche mit Erde bedeckte, sagte der Duti mehrere Male "nafula attiniata, verlornes Geld", woraus ich dann schloß, daß der Knabe einer seiner Sklaven gewesen sei und der durch seinen Tod erlittene Verlust der Grund seiner Mißstimmung sei.

aus: "Mungo Park - Vom Gambia zum Niger", Brockhaus, Leipzig 1924
foto: karkur talh, uweinat, egypt