zerzura

 

eine
besondere
beziehung

 

Die steinerne Welt ist Quell von Emotionen. Sie löst in jedem einzelnen eine beinahe unvermittelt einsetzende seelische Veränderung aus, vergleichbar mit den Gefühlen, die beim Betrachten des Meeres oder des Sternenhimmels wach werden. 

Die Steinwüste, in der alle Anzeichen menschlicher Gegenwart fehlen, beraubt uns unseres vertrauten Umfelds, unserer Gewohnheiten, und schafft eine besondere Beziehung zur Welt. 

Im übrigen weckt die besiedelte Wüste völlig gegensätzliche Gefühle. Sie ist voller Zeugnisse: Bewässerungsanlagen, Festungen, Erinnerungen, Hoffnungen, Träume. Die Trompeten von Jericho, die zehn Gebote Moses, die ägyptischen Plagen, die Schätze aus dem Morgenland... An den Wurzeln der Faszination, des Wüstenfiebers wird seit ältester Zeit immer wieder ein Thema bewußt: Bruch, Schnitt, Trennung. 

Auf die noch gestellte Frage, wo die Wüste beginne, folgt immer dieselbe Antwort. Die Wüste beginnt in dem Augenblick, wo sich der Mensch der Einsamkeit bewußt wird.

aus: "Faszination Wüste", Mondo-Verlag Vevey, 1992
foto: gilf kebir, egypt